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Irland 09

Irland

Tosende Brandung, stürmischer Wind, liquide sun, Linksverkehr auf meist einspurigen Straßen….

Was bei uns Verdruss bereiten würde, wirkt in Irland wie Zauber. Die Rufe der zahlreichen Seevögel klingen immer noch harmonisch, fast zart über das Donnern der oft meterhohen Wellen, die mit ungeheurer Macht an den schroffen Felsen hochklatschen.

Kaum auf See wandelte sich innerhalb einer Stunde der blaue Atlantik in eine neblige Waschküche und schon verstand jeder, woher beim Erlkönig die Geister kamen. Abends zeigte sich der Strand  wieder in ein dunkles Gold gehüllt.

Die oft herbe Landschaft wird unterbrochen von riesigen flächen voller Rhododendron, die neben den zahlreichen Grasnelken der Insel  einen Hauch von lila geben. Meterhohe Fuchsienhecken säumen die schmalen Wege, dessen wenige Einbuchtungen trotzdem einen reibungslosen Verkehrsablauf sichern. Bei uns gäbe das Mord und Totschlag! Ich habe nie friedlichere, freundlichere  Menschen getroffen als dort. Niemand hupt, niemand schimpft, niemand drängelt oder rempelt in den kleinen, engen Gassen der Ortschaften.

 

In den Parks und Gärten scheint alles etwas größer und schöner, die alten Häuser ehrwürdiger. In den Ruinen und zerfallenen Kirchen raunt der Wind dir die alten Geschichten ins Ohr, auf den Friedhöfen überwältigt Dich die Trauer, weil jeder Grabstein mitfühlbar seine Geschichte erzählt und im Wald siehst du unter von moos  bewachsenen Steinen seltsam anmutende Gestalten. Die einfallende Sonne setzt taumelnde Lichtpunkte, die Elfen gleich um die Bäume Tanzen, sich wiegende, mit Bartflechten behangenen Äste wirken wie Logen voller Zuschauer, die alten Bäume beugen sich ächzend im Wind, es klingt wie Stöhnen und Kichern. Mancher mag dort nicht allein sein….warum? Es sind doch so viele Gestalten um dich!

 

Irland lohnt sich nicht nur wegen seiner Vogelwelt, den klaren Seen und Flüssen, es ist allein schon wegen seiner einzigartigen Flechten eine Reise wert.

 

Nach dem Aufenthalt im Mai 07 folgte eine Reise Ende Januar 08 . Da zeigte sich die Insel in das Gelb der Ginsterbüsche gehüllt, wir erlebten einen der seltenen Schneefälle, der Atlantik war noch gewaltiger, die gefiederten Wintergäste kaum zu zählen. Wer nie in Irland war, hat etwas verpasst. Unsere Tour im Herbst 09 war erfüllt mit Impressionen von Wolken und Licht, doch ich entdeckte auch entzückende, ältere Damen und charmante, große Jungen mit einer bezaubernden Ausstrahlung. 

 

In Irland habe ich nur einen Minuspunkt gefunden. das Brot dort ist nicht meine Sache, doch der Kuchen ist super.

 

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